Interview zum Torfeld Süd

Torfeld Süd und Nord bilden Zürich West.
Der Aarauer Stadtbaumeister Felix Fuchs im Gespräch zur Neuüberbauung Torfeld Süd in Aarau und die Bedeutung des neuen Stadtteils für Aarau.
Welche Bedeutung hat die Neuüberbauung Torfeld Süd für die Stadt Aarau?
Das Torfeld Süd ist ein Entwicklungsschwerpunkt inmitten der Agglomeration. Obschon oder gerade weil die Stadt selber kein eigenes Land im Torfeld Süd besitzt, kommt der Kooperation und der Koordination zwischen den privaten Grundeigentümern und der Stadt in der Arealentwicklung eine grosse Bedeutung zu. Würde die Stadt mit der Bau- und Nutzungsordnung und der Gestaltungs- und Erschliessungsplanung keine neuen zukunftsgerichteten Rahmenbedingungen schaffen, wäre die Industriebrache unvermeidlich. An bester bahnhofnaher Lage wären Investitionen in neue Nutzungen, in neue Bauten und damit in eine prosperierende Entwicklung unmöglich. Das Torfeld Süd hat aber das Potenzial für einen urbanen, zentral gelegenen, nutzungsdurchmischten und lebendigen Stadtteil. Dieses Potenzial gilt es zur Stärkung des Agglomerationszentrums und der Kantonshauptstadt zu nutzen. Hier kann die «urbane Blüte» Aaraus zu besonders guten Früchten führen.
Was gilt es unbedingt zu beachten im Hinblick auf die Stadtentwicklung?
Die Umwandlung des bisher hauptsächlich industriell genutzten Gebiets muss kontinuierlich und nachhaltig passieren. Sie darf nicht abrupt und ohne Beachtung bestehender Werte erfolgen. Bestehende Arbeitsplätze mit Zukunft, Zwischennutzungen und erhaltenswerte, identitätsstiftende Bauten müssen in der Gebietserneuerung ihren Platz behalten und darin integriert werden. Tabula rasa ist ebenso wenig eine Lösung wie die monostrukturierte Nutzung. Die Nutzungsvielfalt, das Nebeneinander von Arbeiten und Wohnen, von Kultur und Freizeit, von Dienstleistung und Gewerbe, von Einkauf und Sport gilt es unbedingt zu beachten. Und zwar so, dass fruchtbare Synergien entstehen und gegenseitige Störungen und Beeinträchtigungen bestmöglich vermieden werden.
Was sollte im Hinblick auf die Architektur berücksichtigt werden?
Der Gestaltungsplan und die Sondernutzungsvorschriften postulieren eine hohe architektonische Qualität. Für bestimmte Bauten, namentlich für die hohen Häuser, sind Wettbewerbe gefordert, für andere Gutachten verlangt. Hohe bauliche Qualität liegt im Interesse der Investoren, der künftigen Nutzerinnen und Nutzer sowie der ganzen Stadt. Sie ist ein Wirtschafts-, Verkaufs-, Vermietungs- und ein Standortfaktor. Dabei kommt nachhaltigen Lösungen besondere Bedeutung zu.
Wie wird Ihrer Meinung nach das Zusammenspiel Wohnen/Arbeit/Kultur/Sport dort harmonieren?
Das Zusammenspiel vielfältiger Nutzungen ist ein Merkmal der Stadt. Der Gestaltungsplan definiert über die Baufelder und deren Umschreibung das erwünschte Zusammenspiel. Dieses wird durch die räumliche Differenzierung, durch den Erhalt prägender Bauten, durch die Berücksichtigung der Exposition bezüglich Lärm, Besonnung und Erschliessung dann gut funktionieren, wenn auch der architektonischen Qualität die gebotene Sorgfalt gewidmet wird.
Wird nach dem Torfeld Süd das Torfeld Nord unter Zugzwang kommen?
Das Torfeld Nord hat andere Voraussetzungen als das Torfeld Süd. Zusammen bilden sie zwar «Aarau Ost» und damit gleichsam das «Zürich West» von Aarau. Auch sind beide Planungsverfahren etwa gleich weit fortgeschritten. Die Entwicklungsziele, die Planungsinhalte und die Erneuerungsvoraussetzungen sind jedoch verschieden. Es wird also spannend zu verfolgen sein, ob nördlich oder südlich der Gleise zuerst weitere Baukräne vom Aufbruch und der städtebaulichen Erneuerung Aaraus zeugen werden.
Interview: Sophia U. Siegenthaler, PR für Sie. gmbh
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